Die Stimme des Yogalehrers

Wie kommt es, dass der Stimme von Yogalehrern in Ausbildung so wenig Tribut gezollt wird - wo sie doch ein bedeutsames Medium im zukünftigen Unterricht darstellt? Was können Yogalehrer für ihre Stimme tun? Gibt es die ideale Yogalehrer-Stimme?

Deutschland zählt etwa 3 Mio. Yogapraktizierende und 100 000 Yogalehrer, von denen 10 000 hauptberuflich tätig sind. Yoga hat längst die Nische einer Modeerscheinung verlassen und gilt heute als stark wachsende Branche. Die daraus resultierende Flut an Yogalehrern lässt die Ansprüche an Qualität und Kompetenz immer weiter steigen.

In den Ausbildungen lernen angehende Yogalehrer über Anatomie des Körpers, Alignment, Geschichte und Philosophie des Yoga sowie die praktische Vermittlung der Übungsvielfalt nebst deren Korrekturmöglichkeiten. Dass jedoch bei der Art der Vermittlung und bei der Schaffung einer Atmosphäre des Vertrauens die Stimme des Yogalehrers einen maßgeblichen Anteil hat, dessen ist man sich in den meisten Ausbildungsinstituten nicht bewusst.

In Studios sowie auf einer Vielzahl von YouTube-Videos finden sich Lehrende, die mit dem wichtigsten Instrument persönlicher Ausdruckskraft nicht überzeugen können – ihrer Stimme. Die Asanas sitzen, die Stimme leider nicht. Sie ist schwach, leise, hat keine Anbindung an den Körper und lässt den Lehrer in einem Lichte mangelnder Überzeugungskraft erscheinen. An die Stelle persönlicher Authentizität und Charisma tritt Unsicherheit in Stimme und Körpersprache.

Yogalehrer sprechen viel. Sie wählen umständliche Formulierungen, haben ein hohes Sprechtempo und reden nicht selten ohne Punkt und Komma. Spätestens in einem großen Raum wird ihnen das zum Verhängnis. Die Anleitungen werden schlecht verstanden und den Teilnehmern geht die Konzentration auf ihre Übungspraxis verloren. In einer solchen Situation machen sich schnell latente Unruhe und Unsicherheit breit.

Ebenso eignen sich viele Yogalehrer eine Stimme an, die beim Betreten des Yogaraumes aus- und danach wieder eingepackt wird. Diese „Yoga-Stimme“ soll Eigenschaften wie Sanftmütigkeit, Gleichmut und Güte vermitteln, was - als Konzept angewendet - schlichtweg unnatürlich wirkt. Eine Freundin brachte es einmal so auf den Punkt: „Das Yoga ist ganz gut, aber die (Yogalehrerin) redet immer so komisch. Das nervt.“ Unsere Mitmenschen reagieren auf unsere Stimme – und zwar prompt. Spontan entscheiden sie sich tiefer einzulassen, oder auf Abstand zu gehen.

Da die Stimme eingefahrenen Mustern folgt, ist es nicht leicht, ohne Training Einfluss darauf zu nehmen. Stimm- und Sprechtrainer sowie Logopäden können eine gute Hilfe sein. Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Dinge, die Sie selbst tun können, um Bewusstsein in Ihre Stimme zu bringen und so den ersten Schritt hin zu einer natürlichen, vitalen und wirkungsvollen Stimme zu tun.

Hier unsere Tipps:

  • Achten Sie auf Ihren Atem! Hektische Atemzüge schaffen eine Atmosphäre von Unruhe und Stress.
  • Sprechen Sie in kurzen Sätzen! So vermitteln Sie selbst komplexe Inhalte verständlich und die Schüler können Ihren Anleitungen besser folgen.
  • Achten Sie auf unnötige Füllworte und Wortwiederholungen! Auch gut gemeinte Bekräftigungen wie „Genau“ und „Gut so“ lenken bei häufigem Gebrauch vom Inhalt ab.
  • Seien Sie sich der Größe des Raumes bewusst! Unterschiedliche Raumverhältnisse erfordern eine Anpassung der Stimme. In einem großen Raum ist sowohl lauteres als auch langsameres Sprechen förderlich.
  • Achten Sie auf Ihre Mundgeräusche! Schmatzen sowie andere Atem- oder Speichelgeräusche sind der Killer der Aufmerksamkeit; besonders dann, wenn Sie mit Mikrofon oder Mikroport arbeiten.
  • Vermeiden Sie häufiges Räuspern! Dieses löst im Stimmapparat einen Entzündungsreiz aus und es wird vermehrt Schleim produziert – ein Teufelskreis. Lieber einmal kurz abhusten.
  • Finden Sie Ihren ganz persönlichen Stimmklang und sprechen Sie in einer für Sie bequemen Sprechlage! Ist ihre Stimme von Natur aus höher, so wirkt ein Hinunterdrücken der Stimme nicht authentisch und ist langfristig sogar ungesund.
  • Sprechen Sie den Übungen angepasst! Dynamische Übungen erfordern eine andere Sprechweise als Übungen zur Entspannung. Ihre Yogaschüler werden sich besser abgeholt und begleitet fühlen, wenn Ihre Stimme mit ihnen „mitgeht“.
  • Lassen Sie es zu Ihrem Mantra werden: Yogalehrer sind normale Menschen! Ein guter Lehrer ist nicht zwangsläufig ein Heiliger, wohl aber ein authentischer Mensch – und so auch seine Stimme.
  • Holen Sie sich Feedback über Ihre Stimme! Bitten Sie Freunde um ehrliche Rückmeldungen. Denn: Kommunikation ist Wirkung, nicht Absicht!

Autoren: Maria Kafritsas & Romeo Alavi Kia

Artikel veröffentlicht in Yoga Aktuell (Ausgabe 99, August / September 2016) Download » Zur Seminaranmeldung

 

 

Tags: yoga, yogalehrer stimme yogaausbildung